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Wie bringe ich meine atheistische Familie zum Ja-Wort in die Kirche?

Unsere kirchliche Hochzeit findet im Frühjahr statt, die standesamtliche Trauung einige Wochen zuvor. Für uns ist der kirchliche Part von überwiegender Bedeutung und so wollten wir am Tag der standesamtlichen Trauung nur Eltern, Geschwister und Trauzeugen zu einem Mittag-essen einladen und erst am Tag der kirchlichen Hochzeit ein großes Fest feiern. Meine zukünftige Schwiegermutter sieht diese Entscheidung als Affront gegen die Familie meines zukünftigen Mannes. Es handelt sich dabei zum größten Teil um Atheisten, während mein Verlobter und ich sowie meine gesamte Familie katholischen Glaubens sind. Selbstverständlich ist es für Atheisten nicht üblich, eine kirchliche Hochzeit zu feiern, aber ist unsere Entscheidung wirklich so rücksichtslos, wie meine Schwiegermutter in spe dies darstellt? Wir haben uns immer eine große kirchliche Hochzeit mit vielen Gästen gewünscht und möchten darauf ungern verzichten. Ich möchte aber auch nicht, dass am Tag der kirchlichen Hochzeit die Familie meines Verlobten erst nach der Kirche anreist - oder überhaupt nicht. Haben Sie einen Tipp, wie ich diesen Konflikt lösen kann?
Kerstin aus Frankfurt


Liebe Kerstin, das ist in der Tat schwierig. Vielen Atheisten macht es ja nichts aus, bei einem solchen Anlass auch einmal einer kirchlichen Zeremonie beizuwohnen. Für sie ist Gott einfach etwas, an das sie nicht glauben. Wie andere es damit halten, sei wiederum deren Privatsache, sagen sie sich. Andere sehen das nicht so, sondern halten Religion für etwas Schädliches und die Kirche für eine Institution, die man, wenn schon nicht bekämpfen, dann doch wenigstens boykottieren muss. Für diese Menschen kann die Einladung zu einer katholischen Zeremonie tatsächlich einem Affront gleichkommen. Das darf man nicht leichtfertig als falsche Intoleranz missverstehen, sondern hier geht es ja auf beiden Seiten um tiefe und wichtige Überzeugungen und Weltanschauungen. Deshalb wäre es aber umgekehrt genauso ein Affront gegen den anderen Teil der Familie, das Standesamt groß zu feiern und die kirchliche Zeremonie nur im kleinen Kreis. Das sollte eigentlich auch Ihrer Schwiegermutter klar sein. »Recht machen« können Sie es in dieser Situation keiner der beiden Seiten. Deshalb: Sie und Ihr Verlobter müssen in dieser Sache ganz alleine entscheiden. Niemand darf Ihnen vorschreiben, wie Sie Ihre Hochzeit feiern sollen. Allerdings dürfen Sie auch keinen in die Kirche zwingen, der das nicht möchte, auch wenn Sie sich die große Hochzeit in der Kirche noch so sehr wünschen. Sie können das auf Ihrer Einladungskarte auch ganz freundlich formulieren, beispielsweise so: »Anschließend laden wir alle, insbesondere auch die Gäste, die der kirchlichen Zeremonie nicht beiwohnen möchten, ganz herzlich zur Feier ... (Ort, Uhrzeit)... ein.« So signalisieren Sie Verständnis für die Vorbehalte der atheistischen Gäste. Außerdem wäre das eine Art Kompromiss zwischen Ihnen und Ihrer Schwiegermutter, denn so müssen Sie beide ein wenig aufeinander zugehen. Denkbar wäre natürlich auch, zweimal »groß« zu feiern. Das würde allerdings teuer. Erwarten kann das von Ihnen ganz sicherlich keiner.

 
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